Helmut Kohl – Der Einheitskanzler

 

Er war von 1982 bis 1998 der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und ist Parteimitglied der CDU. Kohl gestaltete den deutschen Wiedervereinigungsprozess und wirkte auch maßgeblich an der europäischen Einigung mit. Dennoch, heute gilt seine Person als umstritten, da er eng im Zusammenhang mit der CDU-Spendenaffäre stand und auch gegen das Parteiengesetz verstoßen haben soll. Zu einer Verurteilung mit Gefängnisstrafe kam es nie, aber Kohls Ansehen litt in den letzten Jahren maßgeblich und er wurde auch nie wieder von seiner Partei als Kandidat für ein Amt aufgestellt. Auch wenn er als Einheitskanzler in die Geschichte eingeht, prägt der tiefer Schatten aus der Spendenaffäre die  vermeintlich weiße Weste Kohls bis heute.

Geboren wurde Helmut Kohl am 3.April 1930 in Ludwigshafen. Seine Familie war als bürgerlich konservativ einzustufen, mit einem starken Hang zum katholischen Glauben. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Kohl in die Wehrmacht eingezogen, brauchte aber nicht zu kämpfen. 1950 begann er sein Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main, wechselte aber bereits nach einem Jahr an die Universität Heidelberg und belegte die Hauptfächer Geschichte und Staatswissenschaften. 1956 konnte er sein Studium erfolgreich beenden und wurde Mitarbeiter des Alfred-Weber-Instituts in Heidelberg. 1959 heiratet er die damalige Fremdsprachensekretärin Hannelore Renner. Aus der Ehe gingen zwei Söhne vor. Hannelore nahm sich am 5.Juli 2001 im Alter von 68 Jahren das Leben.

Die politische Karriere von Helmut Kohl verlief stets zielstrebig und war von stetigem Erfolg geprägt. 1966 wurde er zum Landesvorsitzenden der CDU Rheinland-Pfalz gewählt . Am 19.Mai 1969 bestimmt man ihm zum Ministerpräsident. 1973, ein Jahr nach dem misslungenen Misstrauensvotum gegen den damals amtierenden Bundeskanzler Willy Brandt, wird Kohl zum Bundesvorsitzenden der CDU. Diese Funktion behielt er bis zum 7.November 1998 inne.

 


Nach dem Bruch der sozial-liberalen Koalition am 17.September 1982, Gründe dafür waren unterschiedliche Ansichten bezüglich der zukünftigen Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik, nehmen die CDU unter der Führung Kohls und die FDP drei Tage später die Koalitionsgespräche auf. Die beiden Parteien können sich einigen und Helmut Kohl wird durch ein Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt der sechste Bundeskanzler der noch jungen Republik. Dieses Amt kann er ganze 16 Jahre für sich beanspruchen. Er gestaltete maßgeblich die Wiedervereinigung Deutschlands und ging damit unter dem Begriff des Einheitskanzlers in die Gesichte ein. Vor allem sein Versprechen von „blühenden Landschaften“ machte den Menschen im Osten nach dem Niedergang der DDR und einer maroden Wirtschaftslage neuen Mut. Er genoss in diesen Regionen hohes Ansehen und erzielte im Osten bei seinen Wiederwahlen stets gute Ergebnisse.

Dennoch, die CDU-Spendenaffäre, die nach der verlorenen Bundestagswahl im Jahre 1998 ihren Höhepunkt erreichte, warf starke Schatten auf die Verdienste und den Beliebtheitsgrad des Politikers. Kohl verschwieg die Herkunft einer Spende in Höhe von 2 Millionen Euro an die CDU, obwohl er gemäß des Parteiengesetzes dazu verpflichtet gewesen wäre, die Namen Preis zu geben. Für sein Verschweigen erntete er in der Öffentlichkeitin heftige Kritik. Wegen des Verdachts der Untreue zum Nachtteil seiner Partei eröffnete die Bonner Staatsanwaltschaft im Jahre 2000 ein Ermittlungsverfahren gegen Helmut Kohl. Er wurde zur Zahlung einer Geldbuße von 300.000 DM verurteilt, das Verfahren selbst aber wegen geringer Schuld eingestellt.

Heute hat sich Helmut Kohl aus dem öffentlichen politischen Geschehen zurückgezogen. Am 4.März 2004 erschien der erste Teil seiner Memoiren unter dem Titel „Erinnerungen, 1930-1932“. Ein Jahr später im November veröffentlichte er den zweiten Teil, der sich mit Kohls Kanzlerschaft vor der Einheit befasst. Heute lebt Helmut Kohl wieder in Ludwigshafen im Stadtteil Oggersheim.

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